Das kafkaeske Treiben ging aber munter weiter. Einige Zeit später erhielt ich um halb Sieben Uhr
früh (ich lag zu dieser Zeit noch mit furchtbaren Magen- und Kopfschmerzen im Bett) einen
Anruf der Gewerbebehörde, wo mich der Mann aufforderte, tunlichst mein Patent an die Firma
übertragen zu lassen! Auf meine Erwiderung, ich hätte doch die Ausübung korrekt gemeldet und
ich würde keinen Grund dafür sehen - noch dazu würde das abermals viel Geld kosten - reagierte
er geradezu panisch...
Finanziell wurde es nun mit jedem Tag enger. Verwandte und Bekannte halfen mir. Alle Erspar-
nisse wurden in der Folge aufgebraucht. Auch Lebensversicherungen, Bausparverträge und
Notgroschen machte ich zu Geld. Meine Gattin, obwohl an Bandscheibenvorfällen leidend, nahm
Teilzeitarbeiten als Raumpflegerin und Nurse an. Dann kam das Finanzamt. Ich musste
Einkommensteuer, Umsatzsteuer, Körperschaftssteuer, Gewerbesteuer und Vermögenssteuer(!)
bezahlen. Eine offizielle Anstellung als Arbeitnehmer bei meiner Firma (per Lohnsteuerkarte)
war undenkbar geworden. Als ich in der Folge erkannte, dass ich wegen meiner Patente und
meiner Firma auch keine Stelle als unselbständiger Erwerbstätiger bei einer anderen Firma -
z.B. in der Elektronikbranche - mehr finden konnte, dachte ich erstmals daran, mein Leben
durch einen Suizid zu beenden.
Es MUSSTE weiter gehen. Im Sommer 1987 entwickelte ich ein neues Hüftgürtel-Zeitmesssystem
mit einer Seiko-Stoppuhr als Basis-Gerät. Das war auch an Computer bzw. Drucker anschließbar.
Obwohl alles andere als ideal, war die Nachfrage groß. Es gab Interesse aus Frankreich, Italien,
Norwegen, Finnland, Deutschland, Kanada, ja sogar aus Japan. In der Folge konnte ich eine
Anzahl Geräte verkaufen. S. Bild:

Das Gerät war auch für Leichtathletik sowie im Motorsport anwendbar, s. Bild:

Auch für die Messung der Geschwindigkeit von Wasserfahrzeugen aller Art gab`s Applikationen:
