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Neues aus der Welt der Wissenschaft
 
ORF ON Science :  News :  Medizin und Gesundheit .  Leben 
 
Ursachen vertauschter Organ-Anordnung entdeckt  
    Nicht bei allen Menschen schlägt das Herz in der linken Seite der Brust. So befinden sich die Organe von Personen, die am Kartagener-Syndrom leiden, zur Hälfte auf der gegenüberliegenden Seite. Tauschen alle Organe die Plätze, treten nur selten gesundheitliche Schäden auf. Wechseln jedoch nur einige ihren angestammten Platz, sind gesundheitliche Probleme vorprogrammiert. Wissenschaftler konnten im Tierversuch nun erstmals die Ursache für den seltsamen Platzwechsel feststellen.  
 
 
 
Wie der Biologe Shigenori Nonaka und seine Kollegen von der University of Osaka herausgefunden haben, beruht die Umkehrung der Organe auf fehlerhaft arbeitenden Cilien - feinsten Härchen, die sich unter anderem auf Embryonen befinden.
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Cilien
Cilien sind kurze, bewegliche Plasmafäden, die vielen einzelligen Tieren und auch einfachen höheren Tieren zur Fortbewegung im Wasser dienen. Außerdem transportieren sie bei allen Tieren Flüssigkeiten (z. B. Nahrung im Darm) in Körperhohlräumen durch so genannte Flimmerbewegungen.

Beim Menschen sitzen diese kleinen Härchen z. B. auf der Oberfläche der Luftröhre und der großen Bronchien. Sie bewegen sich kontinuierlich Richtung Mundraum und befördern auf diese Weise Schleim nach oben. Auch im Zellsystem der Nasennebenhöhlen sorgen die Bewegung der winzigen Flimmerhärchen für den Abtransport von Schleim durch die Nase.
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Flussrichtung bestimmt Organanordnung
 
 
Cilien sitzen auch in der Körpermitte von Mausembryonen, wo sie während der Schwangerschaft permanent gegen den Uhrzeigersinn kreisen. Diese Bewegungen lassen das Fruchtwasser ebemso permanent von rechts nach links über den heranreifenden Embryo fließen - und dies scheint wiederum die Symmetrie der inneren Organe fest zu legen.

Der Mechanismus könnte nach Angaben der japanischen Wissenschaftler für die Entwicklung aller Wirbeltiere Gültigkeit haben. Ihre Studienergebnisse veröffentlichten sie in der aktuellen Ausgabe von "Nature".
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"Determination of left - right patterning of the mouse embryo by artificial nodal flow". (Bd. 418. S. 96-99)
->   Der Artikel in Nature (kostenpflichtig)
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Ursache: Botenstoffe oder Druckunterschiede?
 
 
Es ist überraschend, dass gerade ein so einfacher Prozess so tiefe und weitreichende Konsequenzen hat, meint der Biologe Claudio Stern vom University College London in der Online-Ausgabe von Nature.

"Viel wichtiger ist aber jetzt herauszufinden, wie die Flussrichtung des Fruchtwassers die Lage der Organe beeinflusst", so Mark Mercola von der Harvard University in Cambridge. "Möglicherweise besitzen die Cilien einen chemischen Botenstoff, der die linke Köperhälfte markiert, oder es sind unterschiedliche Druckverhältnisse auf den Embryoseiten für die Organverteilung verantwortlich."
Auch Gene sind von diesem Vorgang betroffen
 
 
Die durch die Bewegungen der Cilien gelöste Flussrichtung des Fruchtwassers legt die Verteilung der inneren Organe innerhalb weniger Stunden fest. Der Vorgang erfolgt innerhalb der ersten Entwicklungswoche des Embryos. Ist die Rechts-Links-Anordnung einmal festgelegt, bestimmt sie auch, welche Gene auf welchen Seiten aktiv werden.
Umkehr der Flussrichtung ändert Organverteilung
 
 
Es wurde schon seit längerem vermutet, dass die Bewegungen dieser haarfeinen Strukturen, die auf bestimmten Zellen vertreten sind, eine essenzielle Wirkung auf die Verteilung der Organe hat.

Daher entfernten die Entwicklungsbiologen rund um Nonaka Mäusembryonen aus ihrem natürlichen Umfeld und setzten sie in ein Kulturmedium. Diese Flüssigkeit wurde permanent von links nach rechts - statt umgekehrt - über die Mausembryonen bewegt. Die Flussrichtung war so stark, dass die Cilien nicht dagegen ankamen.

Das Resultat: Die geborenen Mäuse trugen das Herz tatsächlich auf der gegenüberliegenden Körperseite. Auch das Muster der Genaktivität war verkehrt.
Willkürliche Strömungen führen zu Missbildungen
 
 
Im nächsten Schritt untersuchten die Wissenschaftler gentechnisch veränderte Mäuse, die keine Cilien besitzen. Sie wurden einem künstlich erzeugten Flüssigkeitsstrom ausgesetzt. Bei diesen Embryonen lagen die Organe wahllos verteilt im Körper.

Es kommt nicht darauf an, ob die Organe links oder rechts liegen, solange sie vollständig den Platz wechseln, meint Nonaka. Nicht die "richtige" Seite, sondern der komplette Wechsel seien wichtig.

Wechseln nicht alle Organe die Seite, dann kann z. B. das Herz das Blut gegen die Lunge pressen, oder es kommt zu Knotenbildungen im Magen-Darm-Trakt.
Hinweise für Entstehung von Krebs und Entwicklungsfehler
 
 
Die Entschlüsselung des Mechanismus der Organanordnung im Körper könnte nicht nur wichtige Hinweise auf eine Behandlungsmethode des Kartagener-Syndroms liefern, sondern auch für das Verständnis von Entwicklungsfehlern der Organe und des restlichen Körpers, so der Krebsspezialist Joseph Yost von der University of Utah.
->   University of Osaka
->   University College London
->   Harvard University Cambridge
->   University of Utah

 
 

 
ORF ON Science :  News :  Leben .  Medizin und Gesundheit 
 
  suzylee | 06.08, 13:10
vertauschte Organe
Ich bin so ein Fall von Situs Inversus und mir gehts eigentlich sehr gut!
 
 
 
  sensortimecom | 07.07, 10:27
Fötus führt Bewegungsmuster-Analyse durch!
Marc Mercola: "Viel wichtiger ist aber jetzt herauszufinden, wie die Flussrichtung des Fruchtwassers die Lage der Organe beeinflusst"....
"Möglicherweise besitzen die Cilien einen chemischen Botenstoff, der die linke Köperhälfte markiert,...

Lieber Mercola,
du dürftest wissen, dass biologische Strukturen grundsätzlich von 2 Faktoren bestimmt werden
a) DNA (Genotyp)
b) Physikalischer Bezug zur Umwelt (Phänotyp)... und dazu gehört auch die Beeinflussung der Lage der Organe durch die Flussrichtung des Fruchtwassers.

Alle Zellen besitzen von Beginn an über Rezeptoren zur Erfassung von physikalischen Zustandsveränderungen insbes. Bewegungen. Cilien sind solche Rezeptoren. Relativ-Bewegungen (im konkreten Fall die Relativ-Bewegung der Cilien in bezug zum Fruchtwasser) generieren Informationen in Form von Verstreichzeitsequenzen (STQ(v)/STQ(d). Diese werden auf molekularer Ebene fortgesetzt analysiert; aus der Analyse emergieren Informationen zur grundsätzlichen LAGE der Organe im Fötus (nicht zur "Anordung" selbst; diese wird in erster Linie durch den Genotyp bestimmt). Die Weitergabe solcher Informationen geschieht zumeist per Botenstoffe.

Also: Ob Kartagener-Syndrom, ob vertauscht oder nicht vertauscht - wird quasi durch "Bewegungsmuster-Analyse" und Auto-Adaption hergeleitet; nicht durch Gene. Im Gegensatz zu DNA-determinierten Prozessen unterliegen die sensorisch bzw. rezeptorisch hergeleiteten Prozesse stochastischen Einflüssen.

Mehr dazu: http://www.sensortime.com/time-de.html

Erich B. www.sensortime.com
 
 
 
  atemberaubend | 05.07, 15:42

wenn man Eure Kommentare liest entsteht der Verdacht, dass das Gehirn offenkundig nicht nur falsch positioniert, sondern auch ersatzlos gestrichen werden kann; Ihr könntet ja eine Anfrage nach Utah schicken (!!!)
 
 
 
  eliaderendzeit | 05.07, 17:08
Die Kommentare, lieber Herr Doktor Mengele,
sind dem Niveau der "Experten" ebenbürtig.
Ich habe zum Beispiel entdeckt, warum das Wasser im Kochtopf zu kochen beginnt, sobald ich es auf den E-Herd stelle und einen speziellen, mir gut bekannten Knopf, drehe.
Das liegt ursächlich an der Erwärmung des Topfbodens. - oder?
Daß ich mir den Kopf zerbrechen soll, wie es vor sich geht, daß der Topfboden heiß wird, lasse ich mir nicht von Laien da erkennt man meine wissenschaftlich-klerikale Einstellung) vorschreiben, sondern ich publiziere meine tolle Entdeckung und rufe:
Hurra! ICH weiß warum das Wasser kocht, der Topfboden wird heiß.

Ich würde mich hüten, jemandem Verstümmelung als Rezept zu verschreiben. Schönen Gruß nach e-schwitz
 
 
  allgeier | 05.07, 23:40
"elia", so gehts nicht, mit diesem Namen flachst man nicht.
und warum der Wutausbruch? Der Artikel ist doch recht informativ.
 
  eliaderendzeit | 06.07, 23:35
Der Artikel ist schon in Ordnung,
nur der Anspruch, die Ursache des KS entdeckt zu haben, ist reine Hochstapelei.
Dies wollte ich durch ein Beispiel illustrieren.
Die Ursache liegt vermutlich an einem noch zu bestimmenden Gen-Defekt. Solange man nicht definitive Ursachen erkennt ist jedes Gegenmittel nur Symtombehandlung.

Wutausbruch sollte das keiner gewesen sein, soweit ich mich erinnern kann, nur wenn jemand das Gehirn eines Menschen "ersatzlos streichen will" so ist das NS-Rhetorik.

Was "mit diesem Namen flachst man nicht" bedeutet ist mir nicht ganz klar.Ich bitte um Aufklärung.

LG Elia der Endzeit (HAT eine Bedeutung)
 
  gegenschwimmer | 05.07, 12:51

Es soll gar nicht so wenige Menschen geben, bei denen die rechte Hand mit der linken vertauscht ist. Man nennt diese Linkshänder. Gefährlich ist eine andere Mißbildung: wenn einer zwei linke hat.
 
 
 
  shushannah | 05.07, 14:49
Es soll gar nicht so wenige Menschen geben, bei denen die Hände mit Organen vertauscht sind (was die Verwendung betrifft).
 
  diverfreak0 | 07.07, 14:19
Fauler Sack
Mutters Fruchtwasser war basisch. Nun habe ich einen Penis der faul auf dem Sack liegt ..... und das den ganzen Tag.
:-))
 
  eliaderendzeit | 05.07, 11:38
Die Ursache
sind nicht die Cilien. Der auslösende Moment ist die verkehrte Fießrichtung des Fruchtwassers, die durch die falsche Bewegungsrichtung der Cilien verursacht wird.
Die Frage ist nur: Was ist die Ursache für die falsche Bewegungsrichtung der Cilien?
Da verkaufen "Experten" schon wieder das Fell von einem Bären, dessen Spuren sie lediglich gesehen haben.
 
 
 
  eisvogel82 | 05.07, 18:19
re: Die Ursache
Ich glaube das kommt daher, dass die Cilien die Fließrichtung des Fruchtwassers bestimmen. Wenn die Cilien aber defekt sind (wie beim Kartagener Syndrom), dann können sie die Fließrichtung nicht bestimmen, es kommt dann zu einer zufälligen Anordnung der Organe. Deswegen sind auch nur ca 50% der Träger des Kartagener Syndroms davon betroffen.

mfg
Eisvogel
 
  aundf | 05.07, 10:49

das fehlerhafte flimmern der cilien hat genetische ursachen um sie nicht mit wirkungen zu verwechseln.
 
 
 
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