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SENSOR TIMING - Projekt  1993 bis 1995

 

- Finanzielle Probleme erreichen Höhepunkt

- Verdoppelung der Mindestkörperschaftssteuer wird zum

  unlösbaren Problem

- Die Suche nach einer unselbständigen Beschäftigung beginnt

- Früherer Arbeitgeber lehnt Wiedereinstellung ab. Betriebsrat
  (ehem. Duzfreund!) will von mir nichts mehr wissen...

- Sammelsurium ratloser und sprachloser österr. Erfinder: Der
  OPEV (Österr. Patentinhaber und Erfinderverband)

- SENSOR TIMING entwickelt funk-fernbedienbare GAZ-Tafeln

- Erste Großanzeigetafel für Stadien mit Funkfernbedienung

- Elektron. Anzeigetafeln für Basketball, Handball und Tennis

- Elektron. Großanzeigetafel für DCF 77 - Funkuhrzeit

- Konzept für elektronische Großanzeigen an Tankstellen wegen

  Arbeitsüberlastung gestoppt

- Günstige Preise nach der Wende in Tschechien bedeuten

  privaten und firmenmäßigen "Rettungsanker"...


 

  Um 1994 versuchte ich verzweifelt, eine unselbständige Tätigkeit aufzunehmen, die es mir
gestattet hätte, die SENSOR TIMING - Projekte nebenberuflich weiter zu führen. Wie schon zuvor beschrieben, wurde in dieser Zeit - wegen des hohen Budgetbedarfs im Zuge des EU-Beitritts Österreichs (Nettozahler!) - ein Anschlag auf das Unternehmertum geführt, wie er davor und danach einzigartig war: die Einführung einer hohen Mindestkörperschaftssteuer auf Gesellschaften, egal ob sie Umsätze oder Gewinne machten. Dass ich diese Zeit trotzdem durch gestanden habe, ohne Insolvenz der Firma Sensor Timing, grenzt an ein Wunder. Das ist eine der wenigen Leistungen auf die ich tatsächlich stolz bin...

Außerdem erreichten die familiären Probleme zu dieser Zeit einen neuen Höhepunkt, als meine Schwiegermutter bettlägerig wurde und mein Vater schwer erkrankte. Auch meine Mutter wurde praktisch zum Pflegefall. In allen Fällen sprang meine Gattin helfend ein. Da es damals weder Pflegegeld noch Unterstützung durch Seniorenbetreuer gab, war das finanzielle Desaster vorprogrammiert.

Bald stellte sich jedoch heraus, dass alle Versuche, einen adäquaten Job zu bekommen,
erfolglos blieben. Sobald Firmenchefs sahen, dass es sich um einen Patentinhaber handelte,
der noch dazu eine im Bereich Elektronik tätige Firma hatte, winkten sie ab. Letzten Endes
wäre ich sogar bereit gewesen, bei meinem früheren Arbeitgeber Pl. & Th. wieder anzufangen.
Mein Selbstwertgefühl war inzwischen derart zerstört, dass ich dort sogar Hilfsarbeiten
angenommen hätte. Aber nicht einmal das wurde gewährt! Interessanterweise war es
ausgerechnet der Angestellten-Betriebsrat dieser Firma(!), Hr. Siegfried W., der sich quer
stellte: "Hier wirst du nie wieder mehr arbeiten. Nein: Du nicht!".

Ein andermal bewarb ich mich um den Job eines Gebietsvertreters für Endoskopie-Geräte in
der Invasivmedizin. Dazu fuhr ich sage und schreibe 600 Kilometer bis nach Bregenz (Vbg.).
Leider vergebens. Ich hatte aber die zunehmende Verarsche zu diesem Zeitpunkt schon bis
obenhin satt. Der Chef der österreichische Niederlassung dieser Firma bot mir als Ent-
schädigung 500 ATS (Österr. Schillinge, heute ca. 35 Euro) für die Fahrtkosten, die ich aber  zusammenknüllte und ihm ins Gesicht warf. Außerdem drohte ich ihm, die Patente besagter
Firma mit Neuanmeldungen anzugreifen, worauf er ziemlich blass wurde...

Einige Zeit später trat ich dem OPEV (Öst. Patentinhaber- & Erfinderverband) als Mitglied bei.
Es ging mir darum, herauszufinden, ob auch anderen österr. Erfindern übel mitgespielt worden
war. Dieser Verband erwies sich als Sammelsurium apathisch gewordener Individualisten, die
staunend und ratlos nach Hilfe suchten, wie sie sich der öffentlichen Erfinder-Vergackeierung
widersetzen könnten. Das war ja tatsächlich nicht einfach, da beispielsweise der ORF in jener
Zeit nichts unversucht ließ, um Einzelerfinder zum "Daniel Düsentrieb" zu stempeln. Ich lernte
einige Erfinder kennen, die sich nicht einmal trauten, ein Patent auf eine Erfindung zu begehren, sondern die Anmeldung zurück nahmen, sobald das Patentamt die bevorstehende Erteilung des Patentes signalisierte. Offensichtlich taten sie das auf "Anraten ihres Patentanwalts". Der
damalige Präsident des OPEV (Ing. Helmut Jörg) war in einer hoch spezialisierten Branche (Getriebegehäuse) tätig. Obwohl Inhaber mehrerer Patente, hatte er deshalb von diversen Machenschaften wenig Ahnung.

Ein Hr. Ing. Otto M. vom OPEV besuchte mich 1994 in Linz und bot mir an, gemeinsam ein
Patent für ein Navigationssystem in Autos anzumelden. Er wollte bestehende Straßenpläne
auf Mikrofilm speichern und sie über ein optisches System im Cockpit verfügbar machen. Die kilometer-bezogene Nachführung bzw. Fokussierung hoffte er über eine Elektronik zu bewerkstelligen, die ich ihm ausarbeiten sollte. Das Österreichische Patent darauf besaß er eigentlich schon seit Anfang der 80er; nur hatte er auf die Erteilung VERZICHTET(!), weil ihm
sein Patentanwalt dazu geraten hatte... Ich erklärte ihm, dass sich bereits dutzende Firmen
damit beschäftigten, Satelliten-Navigation und Mikroprozessoren dafür einzusetzen. Es sei
zu spät. Konsterniert meinte er aber, man solle es trotzdem probieren und quasi "ein Exempel statuieren"; ich lehnte aber ab...;-)

Nachdem alle Versuche gescheitert waren, eine unselbständige Tätigkeit zu finden um die
finanzielle Situation der Firma Sensor Timing GmbH. zu verbessern, entschloss ich mich zu
einem unternehmerischen Hasardstück, und begann mit der Entwicklung eigener
elektronischer Großdisplay-Tafeln für Stadien und Fußballplätze.

Eine erste Anlage entstand in Linz/Leoding, siehe hier:

             

Diese Großanzeigetafeln wurden nicht wie bisher über Kabelverbindung gesteuert, sondern per Funk. Ich konzipierte zu diesem Zweck ein kleines Steuergerät, mit dem z.B. die Matchuhr gestartet und gestoppt sowie die Spielstände eingegeben werden konnten.

Die Notwendigkeit, ein solches Gerät separat zu einem Patent anzumelden, sah ich nicht. Es war mir ganz einfach zu trivial. (Ich fertigte dieses System nur, um überleben zu können; mit meinen Erfindungen, auf die ich Patente erteilt bekommen hatte, war es ja aus Schikane-Gründen nicht möglich, s. die Seiten zuvor..). Selbst sogar diese Annahme erwies sich noch als zu kurz gegriffen: 10 Jahre später wurde das Funkfernbedienungs-System von einem ausländischen Displaymodul-Hersteller begeistert kopiert und nachgebaut...

Beim ersten (1994) gefertigte System wurde die Tafel vom Verein beigestellt; die Display-Module samt Fernbedienung von meiner Firma SENSOR TIMING gefertigt.

1995 beschloss ich, die gesamte Anlage einschließlich Tafel SELBER zu fertigen. Ich mietete zu diesem Zweck eine Garage eines Bekannten und kaufte mit zusammen gebetteltem Geld(!) einen alten VW-Transporter T3. Den besitze ich heute noch. Mit diesem Gefährt wurden in den Folgejahren in ganz Österreich Vereine, Fußballplätze und Stadien aufgesucht, und Vorführungen durchgeführt. Es konnten viele Großanzeigetafeln verkauft werden; von Schärding bis Oberwart, von Wien bis Leibnitz.

                         Union St. Florian                                           ASK Klingenbach

       

Die Fußballanzeigetafeln gab es auch mit 4-stelliger Matchuhr.      MIN : SEK

                                                        ATSV Schärding

           


Das Funk-Fernbedienungsgerät mit modernen kontaktlosen Gummi-Betätigungselementen:

                      

Bei der Umsetzung dieser Konzepte war die so genannte "Wende" behilflich. Ohne billigere Einkaufmöglichkeiten in den östlichen Nachbarländern wäre es z.B. in jenen Jahren nicht möglich gewesen, Leiterplatten zu akquirieren. Die Preise dafür in Österreich beliefen sich auf das 4-fache. (Nebenbei bemerkt: In Tschechien konnten sich meine Gattin und ich damals trotz finanzieller Not erstmal im Leben eine private zahnärztliche Behandlung leisten...).

                             Diverse in Tschechien gefertigte Platinen für GAZ`s:

                  

Ende 1994 wurde die Palette an funk-fernbedienbaren Großanzeigetafeln auch auf Basketball und Handball ausgeweitet. Geplant war auch eine Tennis-Anzeigetafel.


            

Eine spezielle Variante einer funkfernbedienbaren Foulanzeige-Tafel konnte für den Basketballverein Steyr (Stadthalle Tabor-Steyr) verkauft werden. Siehe Bild:
        

Dazu eine 30-kanalige mobile Funkfernbedienung:
                                                                                       

Als weiteren Prototyp entwickelte SENSOR TIMING eine mobile Großanzeigetafel mit wahlweise Anzeige von Matchzeit oder Uhrzeit. Dieses Gerät kam bei Tennis-Veranstaltungen zum Einsatz - zusammen mit einer Tennis-Spielstandsanzeige von ALGE-Timing. Das Gerät wurde verleast; nicht verkauft. Die große digitale Uhrzeit-Anzeige (45cm-Segmente) wurde über ein DCF-77 Funkuhrmodul gesteuert. S. Bild:

                       
 

Schließlich wurde dann auch noch eine Liedanzeige-Tafel für Innenräume (wie z.B. Kirchen, Kongress- oder Versammlungssäle) als Musteranlage gefertigt. Zum Verkauf gelangte das aber nicht mehr. Ebenso nicht mehr umgesetzt wurde das Projekt eines Preisanzeigesystems für Tankstellen, obwohl es damals enormes Interesse dafür gab. Ohne ausreichendes Startkapital und ohne Mitarbeiter war es nicht möglich. Es stellte sich bald heraus, dass selbst noch so intensive Arbeit und kreative Schaffenskraft nicht ausreichte, die Firma in die schwarzen Zahlen zu bringen. Der finanzielle Aufwand für Tests, Fahrtspesen, Material, Service usw. war einfach zu groß. Dazu kam die enorme Belastung durch die unter dem österreichischen Bundeskanzler Vranitzky eingeführte Mindestkörperschaftssteuer für GmbH.`s in Höhe von jährlich ATS 50 000,- ...

Auf der nächsten Seite wird gezeigt, wie es ab 1996 mit den Mikro-Zeitnahmesystemen weiter ging, die ich ja ebenfalls fertigte. Damals bearbeitete ich bis zu 15 Projekte gleichzeitig, allein - mit nur einem Mitarbeiter, der fallweise aushalf.

 

Wird laufend ergänzt.....

        e-mail: info@sensortime.com                                                                  

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