Der Algorithmus der Signalverarbeitung im Gehirn
Excerpt aus: http://www.sensortime.com/time-de.html (Seiten 9 - 17)
(aus der Patentschrift US 6,172.941)
Autor: Erich Bieramperl
Unter Betrachtung von:
Fig. 4a - d
illustrieren ein Modell der Erfassung und Verarbeitung von STQ(d)- und STQ(v)-
Verstreichzeiten (s. auch Fig. 3a - g) - sowie zur zeitlichen und motorischen
Auto-Adaption -
in molekular/biologischem Zusammenhang. Die grundlegenden Elemente des Modells
sind in
der Neurophysiologie bereits von KATZ, GRAY, KELLY, REDMAN, J. ECCLES u. a.
beschrieben
worden. Die vorgestellte Erfindung ist aber deshalb von besonderer Neuheit, weil
hier zum
ersten Mal zeitliche und motorische Auto-Adaption auf Basis von STQ-Quanten
beschrieben
wird. Derartige Systeme bestehen zumeist aus einer Vielzahl von Neuronen
(Nervenzellen).
Diese Neuronen kommunizieren mit Rezeptoren (sensorischen Neuronen), welche die
Erfas-
sung und Erkennung der ihrer physikalischen Umgebung ermöglichen. Zusätzlich
kooperieren
sie auch mit Effektoren (Muskeln etc.) die als ausführende Organe für die
motorische Aktivi-
tät dienen. Der Ausdruck "Rezeptor" oder "sensorisches
Neuron" entspricht dem mechanisti-
schen Begriff "Sensor". Ein "Effektor" ist dasselbe wie ein
"Aktuator", wie man ihn aus der
Kybernetik-Literatur kennt. Jedes Neuron besteht aus einer Zellmembran, die den
Zellkern
und den Zellinhalt umschließt. Eine unterschiedliche Anzahl von Fortsätze aus
den Neuronen,
(Axone, Dendriten) leitet Information zu Effektoren oder anderen Neuronen
weiter. Die
Verbindungsstelle einer dendritischen oder axionalen Endigung mit einer anderen
Zelle wird
"Synapse" genannt. Die Neuronen selbst können als komplexe
biomolekulare Sensoren und
Zeittaktgeber aufgefasst werden; die besagten Synapsen als
Zeitdatenanalysatoren, welche
die aktuell registrierten Verstreichzeitsequenzen fortgesetzt mit früher
registrierten
Verstreich-Zeitmustern vergleichen, welche von den sensorischen Neuronen
(Rezeptoren)
produziert und entlang Nervenfasern zu den Synapsen weitergeleitetet werden.
Dort erfolgt
eine Art von "Kovarianz-Analyse", und es werden entsprechende
Wahrscheinlichkeitsdichte-
Signale generiert, die an benachbarte neuronale Systeme oder an Effektoren
geleitet werden.
Fig. 4a zeigt ein sogenanntes "Aktionspotential" AP, das durch
eine abrupte Änderung der
Verteilung von Natrium-Ionen und Kalium-Ionen zwischen dem intrazellulären und
extra-
zellulären Lösungsgemisch entsteht, welches wie ein Kondensator arbeitet.
Diese Ionen-
Konzentrationen behalten ein bestimmtes Gleichgewicht, solange kein Stimulus an
der
Rezeptor-Zelle auftritt. In diesem Gleichgewichts-Zustand ist ein konstantes
negatives
Potential 12 an der Zell-Membran vorhanden, das
"Ruhe-Potential" genannt wird. Sobald
ein Rezeptor einen Stimulus aus einer externen Signalquelle wahrnimmt, fließen
Na+ Ionen
in die neuronale Zelle und bewirken, dass sich die Verteilung positiver und
negativer Ionen
plötzlich umkehrt, und die Zell-Membrane "depolarisiert" wird. Je
nach Intensivität dieses
Rezeptor-Reizes entstehen nun folgende Effekte:
(a) Wird die Schwelle P1 nicht erreicht, so entsteht
ein sogenanntes "elektrotonisches
Potential" EP, das
sich entlang der Zell-Membran (bzw. der axonalen Faser) passiv
fortpflanzt, und in bezug
auf zurückgelegte Zeit und Ort seines Auftretens
exponentiell abnimmt. Die
Produzierung eines EP ist vergleichbar mit dem Anzünden
einer leeren Zündschnur.
Das Feuer wird sich ein Stück weit ausbreiten, dann im
weiteren Verlauf
schwächer werden und schließlich verlöschen. EP's entstehen bei
jeder Reizung eines
Neurons.
(b) Wird die Schwelle P1 überschritten, so entsteht
ein "Aktionspotential" AP (wie in
Fig. 4a), das sich
entlang der Zell-Membran (bzw. der axonalen Faser) mit konstanter
Amplitude in
selbstregenerierender Weise fortpflanzt. Die Produzierung eines AP ist
vergleichbar mit dem
Auftreten eines Funkens an einer intakten Zündschnur; das
entflammte Zündpulver
erhitzt benachbarte Abschnitte der Zündschnur soweit, dass
dort das Pulver ebenfalls
entflammt usw., wodurch die sich Flamme entlang der
Zündschnur
fortpflanzt.
AP 's werden zur Quantisierung von STQ(d)- und STQ(v)-Verstreichzeiten
verwendet. Sie
sind praktisch äquivalent zu jenen Identifikations-Impulsen IP mit den Perioden
t(P1),
(t(P2), (t(Pn)..., welche in Fig. 3a gezeigt werden. AP's zeigen das Auftreten
von Phasen-
Übergängen an, von denen STQ(d)-STQ(v)- Verstreichzeiten abgeleitet werden.
Zusätzlich
bewirken sie indirekt die Aktivierung molekular/biologischer
"Zeitmesser" zur Aufnahme
solcher Zeiten. AP's stellen jedoch weder deterministische Samplingraten für
irgendeine
Amplitudenabtastung dar, noch entsprechen sie elektronischen Spannungs/Frequenz-
Wandlern. Außerdem ist ihre Amplitude unabhängig von der Reizintensivität am
Rezeptor,
und sie stellen auch keinerlei Zeittakt-Impulse für die Messung von
Verstreichzeiten dar.
Hingegen wird die Erfassung solcher STQ-Verstreichzeiten von den
Geschwindigkeiten
beeinflusst und moduliert, mit denen die Aktionspotentiale sich entlang den
Nerven-Fasern
(Axonen) und den Membran-Distrikten fortpflanzen.
Die zeitmessenden Eigenschaften von AP's werden hier wie folgt detailliert
beschrieben:
Wenn ein EP - in Antwort zu einem Rezeptor-Reiz - einen bestimmten Schwellwert
(P1) 13
überschreitet, dann löst es ein AP 16 aus. Der Amplitudenverlauf eines
AP fängt mit dem
Aufstrich 14 an und endet mit der Repolarisation 15,
beziehungsweise mit der so genannten
"Refraktärphase". Nach dem Ende dieses Vorganges kehrt das
Membran-Potential wieder zum
Ruhepotential P0 zurück, und die Ionen-Verteilung gelangt wieder ins
Gleichgewicht. Nicht
jeder Rezeptor-Stimulus erzeugt genügende elektrische Leitfähigkeit, um ein AP
zu produzie-
ren. Solange er unter einer Minimalschwelle P1 bleibt, erzeugt er nur das zuvor
erwähnte
elektrotonische Potential EP. (Für ein besseres Verständnis von
Verstreichzeitmessungen in
biologisch/chemischen Modellen betrachte man nochmals Fig. 2c und Fig. 3a): Das
erste AP,
das nach Stimulieren eines Rezeptors ausgelöst wird, erzeugt zunächst
(indirekt) jenen
Impuls, der den ersten Zeitmesser zur Aufnahme der ersten STQ(d)- Verstreichzeit
aktiviert,
wenn die Signalamplitude W das Schwellwert-Potential P1 bei Phasenübergang
iTw(1.1)
durchbricht. Gleichzeitig stellt es auch einen Identifikations-Impuls IP dar.
Das erste AP
entspricht quasi dem ersten IP aus einer Reihenfolge von IP 's, die den
jeweiligen Status
des Schwellenwerts (oder Wahrnehmungbereichs) anzeigen, wo sich die
Stimulations-
Intensitivität gerade befindet. So lange der Rezeptor-Reiz bestehen bleibt,
wiederholt sich
ein AP 16a, 16b... in zeitlichen Intervallen, deren Periode von der Höhe
des jeweiligen
Schwellwertes abhängt, in dem sich der Stimulus gerade befindet.
Diese Intervalle entsprechen jenen IP- Perioden t(P1), t(P2)... welche für die
serielle
Zuordnung und Verarbeitung von STQ- Verstreichzeiten erforderlich sind (s. Fig.
3a). Die
AP-Frequenz wird stabilisiert durch die sogenannte "relative
Refraktärphase" (Ausfallzeit)
nach jedem AP, während derer keine neue Depolarisation möglich ist. Weil sich
die Refraktär-
Phase in adaptiver Weise proportional zu einer zunehmenden Reiz-Intensität beim
Rezeptor
verkürzt (z. B. wenn das EP einen höheren Schwellwert P2 bzw.
Wahrnehmungs-Bereich 13a
erreicht), besteht demnach eine Ähnlichkeit zu einem "programmierbaren
bistabilen
Multivibrator" wie er in der mechanistischen Elektronik zu finden ist. Der
Verlauf dieser
Ausfallzeit ("Refraktorität") nach einem AP folgt der
strichpunktierten Linie 19. Fig. 4a
zeigt, daß es nach dem Ende einer Repolarisation eine "absolute
Refraktoritäts-Periode" t(tot)
gibt. Kein neues AP kann während dieser Zeit ausgelöst werden; egal, wie hoch
die Reiz-
Intensität am Rezeptor steigt. Auf diese Weise ist das "maximale
Ausmaß" einer gerade noch
wahrnehmbaren Reizintensität programmiert. Wichtig ist die Tatsache, dass
sowohl die Dauer
der relativen Refraktärphase als auch die Charakteristik der absoluten
Refraktoritätsphase
auto-adaptiven Gesetzmäßigkeiten unterworfen sind, und sich daher
kontinuierlich an neu
auftretende Zustandsveränderungen im Organismus anpassen. Das bedeutet, dass
auch jene
Schwellwerte P0, P1,...., aus denen STQ-Quanten abgeleitet werden, keine
absoluten Größen
sind, sondern adaptiven Veränderungen unterliegen, wie alle anderen Parameter,
insbes.
"Zeit", auch.
Nun wird erklärt, was nach der Registrierung einer ersten STQ(d)-Verstreichzeit
bei P1 durch
das erste "AP" weiter geschieht:
Steigt die Reizintensität (mit einer theoretischen Amplitude W) von der
niedrigeren Schwelle
P1 zu einer nächsthöheren Schwelle P2 an, dann verursacht das nächste
folgende AP indirekt
die Registrierung der zweiten STQ(d)- Verstreichzeit, sobald der Phasenübergang
durch die
nächsthöhere Schwelle P2 erfolgt. Derselbe Vorgang wiederholt sich in Hinsicht
auf die
Schwellwerte P3, P4 usw. In jedem Fall fungiert das AP gleichzeitig als
Identifikations-
Impuls IP, wie zu Fig. 3a beschrieben. Es wiederholt sich deshalb in
schwellwert-abhängigen
Perioden solange, als eine Wahrnehmung auf den Rezeptor einwirkt (bzw. solange
der
Rezeptor etwas "wahrnimmt").
Als Beispiel sei Fig. 3a betrachtet: Solange die Reizintensität in Zone P2
verweilt, kehrt
das AP 17, 17a, 17b... in kurzen zeitlichen Perioden wieder. Diese
Perioden (oder Intervalle)
entsprechen jenen der IP-Identifikations-Impulse mit der Periode t(P2), welche
zur seriellen
Registrierung der STQ-Verstreichzeiten Td(2) und Tw(2) erforderlich sind.
Erreicht die
ansteigende Reizintensität den Schwellwert P3 (bzw. die
Wahrnehmungsbereichszone 3)
13b, dann wiederholt sich das AP 18a, 18b, 18c... in noch
kürzeren Zeitperioden. Dies
entspräche jenen IP-Identifikations-Impulsen mit der Periode t(P3) in Fig. 3a ,
welche indirekt
für das serielle Timing der STQ-Verstreichzeiten Td(3) und Tw(3) erforderlich
sind. Eine noch
größere Reizintensität, zum Beispiel in P4 (oder in Zone 4), würde eine noch
kürzere Periode
von AP 's erzeugen. Dies entspräche etwa t(P4) in Fig. 3a. Die maximal
mögliche AP-Impuls-
Frequenz wird jedoch von t(tot) bestimmt. Kürzere Refraktäritäts-Phasen nach
der
Depolarisation von APs produzieren auch kleinere AP-Amplituden. Diese
Eigenschaft
vereinfacht die Zuordnung von AP 's zusätzlich.
Im folgenden Teil wird die Generierung der eigentlichen Zeitzählimpulse für
die STQ-
Quantisierung beschrieben. Diese Zeitzählimpulse sind entweder invariable ITCP
oder vm-
proportionale VTCP wie sie in der
Patentschrift (Fig. 3) gezeigt werden. Wie erwähnt, sind
die Zeitzählimpulse für das Quantisieren von Verstreichzeiten durch jene Geschwindigkeit
bestimmt, mit dem sich ein AP entlang eines Axons fortpflanzt. Diese Geschwindigkeit hängt
weiters ab vom Ruhepotential und von der Menge des Na+ Ionen-Stroms in den intrazellulären
Raum beim Beginn des Depolarisations-Prozesses, sobald die Wahrnehmung an der Rezeptor-
Zelle
einen elektrischen Strom verursacht, der das extra/intra-zellulare Ionen-Gleichgewicht
beeinflusst. Am Beginn der Stimulation eines Rezeptors (dem Ausgangspunkt der
Wahr-
nehmung), fließt nur kapazitiver Strom vom extra-zellularen Raum zur
intra-zellularen
Flüssigkeit. Dies ruft das besagte "elektrotonische Potential " EP
hervor, der sich passiv
fortpflanzt. Erst dann, wenn dieses EP die Schwelle P1 überschreitet, wird ein
AP produziert,
das sich in selbstgenerierender Weise entlang den Membran-Distrikten
fortpflanzt. Je mehr
kapazitiver Strom noch nach der Depolarisation (bzw. Umladung) des
Membran-Kondensators
während der Stimulus-Initialisierung verfügbar ist, desto größer ist die
Na+-Strömung in den
intra-zellularen Raum, und desto mehr EP-Strom kann in noch nicht depolarisierte
Gebiete
fließen. Auf diese Weise wird das Tempo weiterer Depolarisations-Prozesse in
den Nerven-
fasern, und somit auch die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der weiteren AP's,
proportional
erhöht.
Die Umladungszeit des Membran-Kondensators ist also jener Parameter, der die
Größe des
Ruhepotentials 12 bestimmt. Startet ein Reiz vom niedrigsten
Ruhepotential P0 12 aus,
so ist der Na+ Einstrom am größten, der Anstieg des EP ist am steilsten und
seine elektro-
tonische Ausbreitung ist am schnellsten. Wird ein AP ausgelöst, dann ist in
diesem Fall
auch seine Fortleitungsgeschwindigkeit maximal. Aber wenn ein Rezeptor-Stimulus
von einem
höheren Potential 12a, 12b oder 12c... startet, dann ist der
Na+ Einstrom teilweise in-
aktiviert, und es nimmt die Steilheit des EP-Anstiegs sowie die
Ausbreitungsgeschwindigkeit
des elektrotonischen Flusses ab. Deshalb nimmt auch die
Fortpflanzungsgeschwindigkeit
eines AP ab. Diese besonderen Eigenschaften werden in molekular/biologischen
Modellen
benutzt, um entweder invariante Zeitzählimpulse ITCP (mit Perioden tscan) oder
variable
Zeitzählimpulse VTCP (mit Perioden t.vscan) zu produzieren. In letzterem Fall
werden die
VTCP's entsprechend der relativen Geschwindigkeit vm
(via STQ(v)- Parameter)
moduliert,
und weisen daher entsprechend kürzere Intervalle auf (siehe dazu Fig. 3b und
3c). Das
STQ(v)- Quantum wird von der Abweichung des jeweiligen Start-Potentiales in
bezug auf
das niedrigste Ruhepotential bestimmt, das als "Referenzwert" dient,
und wird durch die
Dauer der kapazitiven Ladung einer Zell-Membran gemessen, sobald ein Reiz am
Rezeptor
auftritt.
Diese Ladedauer ist umgekehrt proportional zur Geschwindigkeit des Na+
Einstromes durch
die Membran-Kanäle in den intra-zellularen Raum. Eine Zellmembran kann als
elektrischer
Kondensator betrachtet werden, in dem zwei leitende Medien (die intrazelluläre
und die
extrazelluläre Lösung) durch eine dünne Isolationsschicht, die Membran,
voneinander
getrennt sind. Beide Medien bestehen aus verschiedenen Arten von Na/K/Cl- Ionen-
verteilungen. Je höher die "Stimulus-Dynamik" (siehe unten) ist,
welche zuerst das
äußere molekulare Medium beeinflusst - das dem Sensor 2 in Abb. 2a
entspricht -, und
dann das innere molekulare Medium - das dem Sensor 1 entspricht -, desto
schneller ist
der Na+Einstrom und desto kürzer ist die Ladedauer (welche die Parameter für
die Relativ-
geschwindigkeit vm bestimmt) und desto höher die AP-
Fortpflanzungsgeschwindigkeit v(ap)
in den benachbarten Membran-Distrikten. Die Signalverläufe an der äußeren und
der inneren
Seite (bzw.der Membran) entsprechen quasi den Signalamplituden V und W. Die
Geschwindig-
keit v(ap)
generiert also indirekt die
in der
Patentschrift (Fig. 3) beschriebenen invarianten
Zeitzählimpulse ITCP oder die variablen vm-proportionalen Zeitzählimpulse VTCP.
Die besagten variablen VTCP-Impulse sind selbst-adaptiv modulierte Zeitimpulse
mit Korre-
lation zur relativ zurückgelegten Distanz. Wie im folgenden Abschnitt erklärt
wird, existiert
(im Gegensatz zu traditionellem physikalischen Verständnis) keine invariante
Zeit - nur "wahr-
genommene Zeit" ist tatsächlich existent. Von wesentlicher Wichtigkeit ist
auch der Unter-
schied zwischen "Reiz-Intensität", deren Maß von der AP-Frequenz und
somit durch die
Refraktär-Phase bestimmt wird, und der "Reiz-Dynamik", deren Maß
durch die Ladedauer der
kapazitiven Zell-Membran - und deshalb von der Geschwindigkeit des Na+ Zustromes
-
definiert wird. "Reiz- Dynamik" ist nicht gleichzusetzen mit
"Reiz-Intensitätszunahme". Es ist
ein Maß für die räumlich/zeitliche Abweichung der relativen Position des
Rezeptors in bezug
auf die Position der Stimulus-Quelle, und deshalb für die relative
Geschwindigkeit vm. " Reiz-
Intensität" steht für jene Signalamplituden, aus denen vm-adaptive
STQ(d)-Verstreichzeiten
Td(1,2,3..) abgeleitet werden,
während "Reiz-Dynamik" durch die erfassten STQ(v)-
Parametern definiert wird.
Fig. 4b und Fig. 4c zeigen die Analyse von STQ-Verstreichzeiten
in einem molekular/
biologischen Modell in leicht verständlicher Weise. Die Ergebnisse der Analyse
werden dazu
benutzt, um redundanzfreie auto-adaptive Muster-Erkennung sowie autonome
Regelungs-
und Selbstorganisations-Prozesse zu generieren. Im gezeigten Beispiel sollte ein
Organismus
in die Lage versetzt werden, bestimmte Arten von Fremdkörper, die auf eine
Hautpartie
drücken, voneinander zu unterscheiden. Er soll mit einem schnellen
Muskel-Reflex antworten,
wenn er einen Nadelstich als solchen erkennt. Hingegen sollte er den Reiz
ignorieren, wenn
es sich um einen stumpfen Gegenstand handelt. Dazu ist eine fortgesetzte
vm-adaptive
Erfassung von STQ(d)-Verstreichzeiten mittels VTCP-Impulse notwendig. Die
Frequenz dieser
Zeitzählimpulse wird entsprechend den STQ(v)- Parametern aus der Reiz-Dynamik (vm)
moduliert. Diese STQ(v)- Parameter werden zur Registrierung der
STQ(d)-Verstreichzeiten
Td(1,2,3...) aus der Signal-Amplitude
der gegenwärtigen Reiz-Intensität benötigt. Der Unter-
schied zwischen "Reizintensität" und "Reizdynamik" ist in
diesem Beispiel leicht zu verstehen.
Ein Stimulus kann verschiedene Intensität auch dann aufweisen, wenn keine
zeitlich/räum-
liche Änderung zwischen Signalquelle und Rezeptor stattfindet. Eine Nadel in
der Haut kann
auch bei unveränderter Position ein unterschiedliches Empfindungsmuster
bewirken, beispiels-
weise wenn sie erwärmt wird. Dieses Empfindungsmuster wird von der
Signalamplitude und
somit von der AP-Frequenz und den STQ(d)-Quanten bestimmt. Befindet sich die
Nadel in
einer invarianten Position, so ist die AP-Fortleitungsgeschwindigkeit konstant,
da auch die
Membranladezeit konstant ist. Während des Stiches in die Haut ereignet sich ein
"dynami-
scher Reiz", und die STQ(d)-Quantisierung der Signalamplitude geschieht in
Abhängigkeit
vom Verlauf der Einstichgeschwindigkeit vm. Man beachte, daß während dieses
dynamischen
Prozesses immer 2 zeitlich verschobene Signal-Amplituden (an der äußeren und
der inneren
Membranseite) existieren. Die beschriebenen STQ(v)-Parameter leiten von ihnen
her. Dem-
entsprechend werden die Geschwindigkeiten der AP- Fortpflanzung und die
erworbenen
STQ(d)- Zeitmuster angepasst ("zeitliche Auto-Adaption").
Diese entsprechend zu vm adaptiv gemessenen STQ(d)-Zeitmuster Td(1,2,3...)
werden
ständig mit vorausgehend gemessenen und gespeicherten STQ(d)- Zeitmustern Td'(1,2,3...)
verglichen und zusammen ausgewertet. Dieser Zeitvergleichs-Prozess geschieht
fortgesetzt
in den sogenannten "Synapsen", welche die Verbindungsstellen zu
axionalen Endigungen
anderer Neuronen bilden. Die Wahrscheinlichkeitdichte-Werte, die in den Synapsen
ermittelt
werden, und die für eine Konvergenz beider Regressions-Kurven stehen, werden
zur weiteren
Verarbeitung zu peripheren neuronalen Systemen, oder auch an Muskelfasern
weitergeleitet,
um motorischen Reflex hervorzurufen.
Fig. 4b zeigt die vm- abhängige Fortpflanzung eines AP von einem
Sensor-Neuron (Rezeptor)
20 entlang eines Neuronenfortsatzes (Axon) zu einer Synapse, wo ein
Vergleich mit erworbe-
nen Zeit-Sequenzen mittels molekularer "Kovarianzanalyse" stattfindet.
Dieser Rezeptor funk-
tioniert wie ein "Druck-Sensor". Wenn eine Nadel 21 mit einer
bestimmten Dynamik auf die
äußere Schicht der Zell-Membran trifft, dann verursacht diese Stimulation das
Auslösen von
AP's 23, wie in Abb. 4a beschrieben. Die AP's pflanzen sich im Axon 22
mit einer STQ(v)-
abhängigen Geschwindigkeit vap
fort. Ihre Reihenfolge (a'....v ') entspricht
jenem Signal-
amplitudenverlauf, der vom Stich hervorgebracht wird. Die Reihenfolge fängt mit
dem Phasen-
durchgang beim ersten Schwellwert P1 an, geht weiter über P2, P3, P4 (an deren
Stelle das
Reizmaximum erreicht wird), und kommt schließlich zu den Phasendurchgängen P3
und P2.
Die Intensitätsbereiche der Reizwahrnehmung sind mit Z1, Z2, Z3 und Z4
bezeichnet. Die
Perioden t(P1), t(P2), t(P3), t(P4).... und die Magnituden der AP's dienen zur
Identifikation
der jeweiligen Schwelle, wo die Reizintensität sich gegenwärtig befindet. Ihre
zeitliche Reihen-
folge ist deshalb eine Art von "Code". AP's sind keine
Zeitzählimpulse. Neben ihrer Code-
Funktion sind sie aber auch (indirekt) Startimpulse und Stopimpulse für die
Registrierung von
STQ(d)- Verstreichzeiten. Die eigentliche vm-abhängige Messung der
STQ-Verstreichzeiten
Td(1), Td(2), Td(3), Tw(4) und Td(4)..(s. Abb. 2c), sowie ihr Vergleich mit
vorausgehend
erfassten Verstreichzeiten findet in der Synapse 24 statt.
Am präsynaptischen Ende des Axons laufen die AP 's 23 mit variablen
Geschwindigkeiten
vm(n ...) ein, die in Relation zur Dynamik des Nadel-Stiches sowie zu den
gemessenen STQ(v)-
Parametern stehen. Diese variablen Einstrom-Geschwindigkeiten an den Synapsen
sind der
Schlüssel zum Produzieren jener adaptiven Zeitzählimpulse VTCP (s.Fig. 3c) mit
der vm-
modulierten Frequenz ƒscan. Die Synapse ist durch den "synaptischen
Spalt" von der post-
synaptischen Membran getrennt; diese wiederum ist mit anderen Neuronen
verbunden, z. B.
mit einem sogenannten "Motoneuron" 25. Ein solches Neuron
produziert ein sogenanntes
"exzitatorisches postsynaptisches Potential" (EPSP) 27, das
etwa proportional zur Wahr-
scheinlichkeit g einer Konvergenz ist. Wenn dieses EPSP (bzw. die
Wahrscheinlichkeitsdichte
g) einen bestimmten Schwellwert übersteigt, dann wird erneut ein
Aktionspotential AP 28
ausgelöst.Dieses AP wird über Motoaxon 26 zu einer sogenannten "neuromuskulären
Endplatte" weitergeleitet, die dort den Muskelreflex verursacht. Die
einlaufenden AP-
Sequenzen 23 bewirken die Freisetzung bestimmter Quanten von molekularem
Transmitter-
stoff aus ihren Depots - winzigen kugelförmigen Strukturen in der Synapse,
"Vesikel" genannt.
Im Prinzip stellt eine Synapse einen komplexen programmierbaren
Zeitdatenprozessor und
-Analysator dar, der immer dann den Inhalt jeweils eines Vesikels in den
präsynaptischen
Spalt entleert, wenn das Wiederauftreten irgendeiner früher registrierten
synaptischen
Struktur innerhalb einer neu registrierten Schlüssel-Struktur bestätigt wird.
Die synaptischen
Strukturen und Vesikel-Bewegungen werden von der Dynamik v(ap) des AP-Ioneneinstroms
sowie seiner Frequenz erzeugt. Die AP-Einstromgeschwindigkeiten v(ap) entsprechen den
STQ(v)- Parametern, die AP-Frequenzen den STQ(d)-Verstreichzeiten. Die Transmitter-
Substanz wird durch die Synapse reabsorbiert und wiederverwertet, sodass der Zyklus nicht
unterbrochen
wird.
Hier eine ausführliche Beschreibung von Fig. 4b unter Bezugnahme auf Fig. 4e
und Fig. 4f:
Der Ionen-Einstrom vom ersten einlaufenden AP 23 (a') aktiviert
zunächst die Ansammlung
von ACh-Transmittermolekülen in den kugelförmigen Strukturen (Vesikeln). Die
Dauer dieser
ACh-Ansammlung hängt ab von der Dynamik (= Geschwindigkeit vap) des
AP-Ionen-
Einstromes an der präsynaptischen Endigung und somit auch der Reiz-Dynamik (=
vm) am
Rezeptor 20. Die Freisetzung der Moleküle in den synaptischen Spalt
erfolgt in Form von
"Paketen". Jedes nacheinander einlaufende AP - bezeichnet mit
b', c'..- bewirkt eine erneute
Ansammlung von Neurotransmitterstoffen in Vesikeln, die sich nach erfolgter
Auffüllung in
Richtung des synaptischen Spalts bewegen. Alles Folgende hat
verstreichzeit-messende
und -analysierende Eigenschaften: Die Dauer der Auffüllung mit
Transmittersubstanz T(t), die
Geschwindigkeiten v(t), mit dem sich die Vesikel in Richtung des synaptischen
Spalts weiter-
bewegen, ihre Einwirkung auf das synaptische Gitter am Spalt und ihre
Positionen, die
Öffnungsdauer der Poren usw. Durch diese AP-Einwirkung auf die synaptischen
Strukturen
werden nicht nur die eigentlichen Zeitzählfrequenzen ƒscan
generiert (zur
vm-abhängigen
Messung jener in Abb. 2c beschriebenen STQ(d)-Versteichzeiten), sondern es
werden auch
Zeitmuster gespeichert und analysiert. Wenn von der Synapse das Muster eines
aktuellen
zeitlichen Ablaufes erkannt wird, das mit einer bestehenden gespeicherten
Struktur überein-
stimmt, dann öffnet sich eine Pore beim synaptischen Gitter, und der ganze
molekulare Inhalt
eines Vesikels wird in die subsynaptischen Spalt freigesetzt. Die freigesetzten
Transmitter-
Moleküle (zumeist ACh) binden sich an der anderen Seite des Spalts an
spezifische Rezeptor-
moleküle auf der subsynaptischen Membran des angekoppelten Neurons. Dadurch
wird dort
ein postsynaptisches Potential (EPSP) hervorgerufen, das sich dann an andere
Synapsen,
Dendriten oder an eine sogenannte "neuromuskuläre Endplatte"
fortpflanzt. Überschreitet
das EPSP eine bestimmte Amplitude, dann löst es ein Aktionspotential (AP) der
bereits
beschriebenen Art aus, das dann z.B. einen Muskel-Reflex hervorruft. Erreicht es
diesen
Schwellwert nicht, so wird es ähnlich weitergeleitet wie ein EP (also in
elektrotonischer
Weise); ein AP wird in diesem Fall nicht produziert. Von besonderer Bedeutung
ist die
addierende Eigenschaft der subsynaptischen Membran. Diese Eigenschaft - auch als
"zeitliche
Bahnung" bezeichnet - resultiert aus der Summierung der erzeugten EPSP's,
wenn diese in
kurzer Folge innerhalb bestimmter Zeitfenster eintreffen. Jede Freisetzung von
Transmitter-
moleküle in den synaptischen Spalt zeigt das Auftreten einer erhöhten
Wahrscheinlichkeits-
Dichte während des Vergleiches aktueller vm-proportional erfaßter
STQ-Verstreichzeitmuster
mit früheren vm-proportional erfaßten und gespeicherten Zeitmustern an.
Erhöhte
Wahrscheinlichkeits-Dichte verursacht eine höhere Häufigkeit von
Transmittersubstanz-
Freisetzung und demnach höhere Summenwerte von EPSP's, was wiederum als Folge
eine
signifikant höhere Rate von postsynaptischen Aktionspotentialen (AP)
produziert. Demnach
ist ein postsynaptische AP ein Bestätigungssignal, das anzeigt, dass
Isomorphismus zwischen
einem früheren und einem aktuell registrierten Zeitdatenmuster erkannt worden
ist. Auf der
Basis dieses Zeitmuster-Vergleiches wird somit jener Gegenstand, der die
Wahrnehmung bei
der Rezeptor-Zelle verursacht hatte, als "Nadel" identifiziert; und
der Befehl: "Muskelreflex
auslösen" wird an die korrespondierenden Muskelfasern
weitergeleitet.
Parallele komplexere Erkennungsprozesse laufen über das zentrale Nervensystem
ZNS (dem
Gehirn) ab. Vom beschriebenen druckempfindlichen Hautrezeptor-Neuron 20
gelangt eine
weitere axonale Verzweigung 29 über eine Synapse 30 zu einem
"ZNS-Neuron". Im Unter-
schied zum "Motoneuron", das direkt die motorische Aktivität des
Organismus steuert, dient
ein ZNS-Neuron der bewussten Erkennung eines rezeptorischen Reizverlaufes. Ein
AP 31, das
an der postsynaptischen Zellmembran 30 produziert wird, kann auch
entlang Dendriten in ein
Axon 30a münden, und sich zu mehreren anderen ZNS-Neuronen verzweigen;
es kann aber
auch indirekt über ZNS-Neuronen zu einem Motoneuron und dann zu einer "neuromusculären
Endplatte" gelangen.
Die Parameter, welche die Registrierung von STQ-Zeitquanten in den Synapsen 25
und 30
kontrollieren, können sich durch die Verschiedenheit der synaptischen
Strukturen unter-
scheiden. (Tatsächlich werden ja diese Strukturen von fortgesetzten "Lern"-Prozessen
erzeugt). Dies erklärt, warum es möglich ist, dass ein Nadelstich zwar im
Gehirn als solcher
registriert wird, aber keinen Muskel-Reflex hervorruft; oder aber ein schneller
Muskel-Reflex
entstehen kann, dessen Ursache durch das Gehirn kaum wahrgenommen wird. Der eine
Fall
zeigt einen bewussten Reflex, der andere Fall einen instinktiver Reflex.
Letzterer tritt auf,
wenn die ZNS-Synapse 30 nicht genügend isomorphe Strukturen findet (im
Gegensatz zur
Synapse 25), daher keine ausreichend häufige Freisetzung von
Transmittermolekülen erfolgt,
und infolgedessen auch kein postsynaptisches AP 31 und keine bewusste
Erkennung des
wahrgenommenen Reizes stattfinden kann.Viele Funktionen des zentralen
Nervensystemes
können so auf monistischer Grundlage erklärt werden; sogar Phänomene wie
"Bewusstsein"
und "Unterbewusstsein". Im allgemeinen sind auto-adaptive Prozesse in
Organismen vielseitig
vernetzt und deshalb äußerst komplex. Um fähig zu sein, auf der Haut einen
Nadelstich vom
Drücken mit einem stumpfen Radierstift zu unterscheiden, sind wesentlich mehr
Zeitmuster
notwendig; auch müssen mehr Rezeptoren und Synapsen in den Erkennungsprozess
einbe-
zogen werden.
Fig. 4c zeigt einen Prozess, bei dem das leichte Drücken mit einem
stumpfen Gegenstand
(z.B. einem konischen Radiergummi auf einem Stift) erkannt wird - wo aber daraus
kein
Muskelreflex resultiert. Der stumpfe Gegenstand 32 presst mit einer
bestimmten relativen
Geschwindigkeit vm
auf eine Reihe von Rezeptoren in den neuronalen Hautzellen 33, 34, 35,
36 und 37. Aus der Stimulierung der einzelnen benachbarten
Rezeptoren (s. auch Fig. 4b)
resultieren verschiedene Sequenzen von AP's 39, 40, 41, 42 und 43.
Diese Aktionspotentiale
pflanzen sich entlang den kollateralen Axonen 38 mit variablen Perioden
t(P1,2,3.....) und
Geschwindigkeiten vap(1...5) fort, die einerseits von der gegenwärtigen
Reizintensität,
anderseits von der jeweiligen Reizdynamik abhängig sind. Da jeder Rezeptor-Reiz
ein anderes
Muster aus STQ(v) und STQ(d)- Quanten erzeugt, ergeben sich für jedes Axon
verschiedene
AP-Sequenzen a'....m'. Alle einzelnen Sequenzen zusammen stellen jenes Muster
aus STQ-
Verstreichzeiten dar, das für den Druck mit dem Radierer auf der Haut
charakteristisch ist.
Diese variablen AP-Ionenströme gelangen zu den Synapsen 44, 45, 46, 47
und 48, welche
über den synaptischen Spalt mit dem Motoneuron 49 verbunden sind.
Sobald das aktuell
erfasste Zeitdatenmuster eine Ähnlichkeit zu einem früher erfassten
Zeitdatenmuster auf-
weist, setzt jede einzelne Synapse den Inhalt eines Vesikels in den
subsynaptischen Spalt
frei. Gleichzeitig produziert diese Freisetzung ein EPSP an der subsynaptischen
Membran
des Neurons. Diese Potentiale sind zumeist unterschwellig. Der nötige
Schwellwert für die
Auslösung eines AP wird nur dann erreicht, wenn mehrere EPSP's summiert werden.
Dies
geschieht nur dann, wenn eine sogenannte "zeitliche Bahnung" solcher
Potentiale stattfindet,
wie im Abschnitt zuvor beschriebenen wurde.
Im gezeigten Modell wirken sich diese addierenden Eigenschaften auf die
einzelnen EPSP's
50, 51, 52, 53 und 54 aus. Diese Potentiale entsprechen
den rezeptor-spezifischen
Wahrscheinlichkeitsdichte-Parametern g1, g2. g3, g4 und g5, die für den
jeweilige Grad an
Isomorphität von Zeitmustern stehen. Gleichzeitige Transmitterfreisetzung in
mehreren
Synapsen (z.B. in 45 und 47) bewirkt die Addierung der
einzelnen EPSP's zu einem Gesamt-
Potential 56, das der Summe der einzelnen Wahrscheinlichkeitsdichten (G)
= (g1+ g3)
entspricht. Diese Eigenschaft der Neuronen, räumlich getrennte unterschwellige
EPSP 's zu
summieren, wenn gleichzeitige Transmitter-Freisetzung bei einer Anzahl
paralleler Synapsen
auf der selben subsynaptischen Membran auftritt, bezeichnet man als
"räumliche Bahnung".
Im beschriebenen Modellfall erreicht das summierte EPSP 56 aber nicht die
bezeichnete
Schwelle (gt) und es wird daher kein AP ausgelöst. Statt dessen pflanzt es sich
im subsynap-
tischen Membrandistrikt 49 des Neurons bzw. im nachfolgenden Motoaxon 55
als passives
elektrotonisches Potential (EP) fort. Ein solches EP schwächt sich (zum
Unterschied von
einem selbst-regenerierenden aktiven AP) nach wenigen Millimetern im Axon soweit
ab, dass
es keinerlei aktivierenden Einfluss auf die neuromuskuläre Endplatte hat, und
somit auch
keinen aktivierenden Einfluss auf den Muskel. Die Reizung der Haut und das
Anpressen mit
dem Radierstift reicht also nicht aus, um einen Muskelreflex hervorzurufen.
Anders wäre es
der Fall, würde der Radiergummi abbrechen und der leere Stift mit voller Wucht
auf die Haut-
Rezeptoren treffen. In diesem Fall würde eine Transmitterfreisetzung
gleichzeitig in allen fünf
Synapsen 50, 51, 52, 53 und 54 ausgelöst, weil die erfassten
STQ-Zeitmuster Td(1,2,3....)
mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ähnlich mit jenen in den synaptischen
Strukturen gespei-
cherten STQ-Zeitmustern Td'(1,2,3..)
wären, die für das Ereignis "Nadelstich" signifikant sind.
Die EPSP 's würden wegen der Eigenschaft ihrer zeitlichen und räumlichen
"Bahnung" zu einem
überschwelligen EPSP 56 addiert werden und ein postsynaptisches AP
hervorrufen, das sich
im Motoaxon 55 in einer selbst-regenerierenden Weise (ohne zeitliche und
räumliche
Abschwächung) bis zum Muskel fortpflanzen würde um einen Muskel-Reflex zu
produzieren.
Wie in Fig. 4b, so kommt es auch im vorliegenden Beispiel zu einem parallel
verlaufenden
Erkennungsprozess, der im zentralen Nervensystem (ZNS) stattfindet. Von den
Hautrezeptor-
Zellen 33, 34, 35, 36 und 37 gelangen kollaterale axonale
Verzweigungen 57 zu ZNS-
Synapsen, die an andere Neuronen 58 gekoppelt sind. Solche Verzweigungen
werden als
"Divergenzen" bezeichnet. Die Aufsplitterung der Axone in kollaterale
Verzweigungen zu
verschiedenen neuronalen ZNS-Distrikten, und die zeitliche und räumliche
Kombination vieler
postsynaptischer EPSP's ermöglicht die bewusste Erkennung komplexer
Wahrnehmungen im
Gehirn (z.B. die Tatsache, dass ein Radierstift auf die Haut drückt). Da diese
Erkennung
unabhängig von der Auslösung eines etwaigen Muskelreflexes stattzufinden hat,
muss die
Summe einzelner EPSP's im ZNS auf jeden Fall überschwellig sein. Ansonsten
könnte kein
postsynaptisches AP - und somit auch kein Bestätigungssignal produziert
werden.
Als wesentliche Vorbedingung dazu ist notwendig, daß auto-adaptive Prozesse
vorangingen,
wodurch bestimmte präsynaptische und subsynaptische STQ-Zeitstrukturen in den
parallelen
Synapsen 58 geprägt wurden. Diese Strukturen enthalten Information
(Zeitsequenzen, Zeit-
muster..), die für ähnliche Sinnes-Erfahrungen stehen (z. B. in die Haut
eindringende Gegen-
stände, darunter auch der besagte Radierstift). Offensichtlich hat die Schwelle
für das
Verursachen eines AP's in der postsynaptischen Membran-Struktur der ZNS-Neuronen 58,
(und deshalb auch im Gehirn) niedriger zu sein als beim vorher beschriebenen
Motoneuron
49. Daher muss auch die Summe dieser EPSP's größer sein als diejenige
der EPSP's g1, g2,
g3, g4 und g5. Isomorphitäten von STQ-Zeitdatenreihen in den ZNS-Synapsen des
Gehirns
haben demnach ausgeprägter zu sein als jene in den Synapsen von Motoneuronen,
die nur
für Muskelreflexe zuständig sind. Die Strukturen von ZNS-Synapsen müssen
Informationen
besser unterscheiden können, und somit subtiler beschaffen sein. Das Auftreten
eines sub-
synaptischen AP stellt eine Bestätigung für die Tatsache dar, dass ein aktuell
erfasstes
Td(1,2,3...)- Zeitmuster in
virtueller Weise isomorph ist mit einem früher registrierten
Td'(1,2,3...)- Referenzzeitmuster,
das z.B. aus einer älteren Sinneserfahrung mit einem an
irgendeine Hautstelle drückenden Radierstift stammt. Hat eine solche frühere
Erfahrung nicht
stattgefunden, so hat das Bewusstsein keine physikalische Grundlage zur
Erkennung, da die
Zeitmuster-Vergleichsbasis fehlt. In einem solchen Fall hätte also zunächst
ein Lernprozess
vorauszugehen. Meistens werden dazu auch andere, aus verschiedenen Rezeptorreiz-
Ereignissen hergeleitete Empfindungserfahrungen visueller oder akustischer Art
usw. mit der
erwähnten Druckempfindungs-Erfahrung koordiniert.
Dies erklärt, warum ZNS-Strukturen äußerst umfangreich vernetzt sind.
ZNS-Neurone, aber
auch Motoneurone, besitzen bis zu 5000 angekoppelte Synapsen, die in
verschiedenster
Weise mit Rezeptor- Neuronen und axonalen Verzeigungen verknüpft sind. Es
existieren
komplexe Zeitdaten-Muster für niedrigere und höhere Aufgabengebiete, die in
hierarchischer
Weise strukturiert sind. Einfache Td(1,2,3...)
und Td'(1,2,3...)-
Analyse-Operationen wurden
bereits beschrieben. Kreislauf, Atmung, Koordination von Muskelsystemen,
Wachstum, Sehen,
Hören, Sprechen, Riechen usw. erfordern eine enorme Anzahl synaptisch
registrierter "Land-
schaften" von STQ-Zeitmustern im Organismus, die von vielen Rezeptoren
produziert wurden;
und welche fortgesetzt auf Isomorphität mit aktuell aufgenommenen
STQ-Zeitmustern
analysiert werden müssen. Dementsprechend ereignet sich zeitliche und
motorische Auto-
Adaption in tieferen und höheren Hierarchien und auf verschiedenen
Niveaus.
Fig. 4d zeigt das Gegenstück zu einem EPSP (erregendes postsynaptisches
Potential); das
"inhibitorische postsynaptische Potential", oder IPSP. Wie aus der
Zeichnung zu sehen ist,
sind die IPSP- Potentiale 61, 62, 63, 64 und 65 an der
subsynaptischen Membran 60 im
Unterschied zu besagten EPSP's negativ. IPSP's werden von einem erheblichen Teil
der
Synapsen produziert, um präsynaptische Hemmung statt Aktivierung hervorzurufen.
Das
Beispiel zeigt hier ein sich vom Motoaxon 66 zu einer neuomuskulären
Endplatte (beziehungs-
weise Muskelfaser) fortpflanzendes Summen-IPSP 67, welches verhindert,
dass dieser Muskel
aktiviert werden kann - selbst dann nicht, wenn ein überschwelliges EPSP zur
gleichen Zeit
über ein paralleles Motoaxon die gleiche Muskelfaser erreichen würde.
Positive EPSP's-Ionenströme und negative IPSP's-Ionenströme heben sich
gegenseitig auf.
Die hauptsächliche Funktion von IPSP's besteht darin, koordinierte und homogene
Zustands-
veränderungen im Organismus, z.B. exaktes Timing von Bewegungsvorgängen zu
ermöglichen.
Um beispielsweise einen gleichmäßigen Armschwung durchzuführen, ist es
erforderlich, den
Musculus biceps, der den Ellenbogen beugt, mittels EPSP's zu aktivieren;
gleichzeitig aber
den antagonistischen Musculus triceps (der den Ellenbogen streckt), mittels
IPSP's zu
hemmen. Antagonistische Muskel müssen über sogenannte "antagonistische
Motoneuronen"
gehemmt werden, während der andere Muskel über "homonyme Motoneuronen"
aktiviert wird.
Der komplexe Synergismus von erregenden EPSP-Synapsen und hemmenden
IPSP-Synapsen
wirkt wie ein Feedback-System (Regelkreis) und ermöglicht optimales Timing und
Effizienz im
Organismus. Man kann diesen Prozess mit einem Servo- Antrieb oder einer Servo-
Lenkung
vergleichen, welche eine korrekte koordinierte Ausführung momentaner
Bewegungsphasen
durch datenunterstützte Operation und Regelung ermöglicht. Wenn Daten
ausfallen, bricht
der Servo-Kreis zusammen. Störungen in einem molekular-biologischen Regelkreis,
der durch
STQ-Zeitdatenstrukturen gestützt wird, führen zu tetanischen Zuckungen,
willkürlichen
Kontraktionen, chaotischen Krämpfen usw.
Vom kybernetischen Standpunkt betrachtet, erzeugt jede erregende Synapse einen
"motori-
schen Impuls" (EPSP), jede hemmende Synapse einen "Bremsimpuls" (IPSP).
Das stetige
Abstimmen der komplizierten Regelkreise, und die Balance, die aus dem
fortgesetzten
Vergleich von früheren sensorischen Erfahrungen (den gespeicherten referenten
Zeitmustern)
mit aktuellen sensorischen Erfahrungen (den aktuell erfaßten Zeitdatenmustern)
resultiert,
erzeugt ein "perfektes Timing" im Organismus.
Fig. 4e zeigt die prinzipielle Gestaltung einer Synapse. Das Axon 68
mündet in die prä-
synaptische Endigung 69, die auch "Bouton" genannt wird. Die
seriell einlaufenden AP's
verursachen die Auffüllung der Vesikel mit Neurotransmitter-Mulekülen. Ist der
Auffüllprozess
beendet, beginnen sich die Vesikel in Richtung präsynaptisches Vesikelgitter 71
zu bewegen.
Wenn ein gegenwärtig erworbenes Zeitmuster annähernd isomorph einem
bestehenden Zeit-
muster ist, (s. auch Fig. 4b), dann öffnet sich bei einer Andockstelle am
synaptischen Gitter
ein kleiner Kanal, der den ganzen Inhalt des Vesikels in den schmalen
synaptischen Spalt 72
freisetzt. Dieser Vorgang wird auch als "Exozytose" bezeichnet. An der
subsynaptischen
neuronalen Membran 73 befinden sich spezifische molekulare Rezeptoren 73a,
an die sich die
freigesetzten Transmittermoleküle heften. Für eine bestimmte Dauer wird eine
eine Pore
geöffnet, durch welche die Transmitter-Substanz diffundiert. Die Leitfähigkeit
der post-
synaptischen Membran erhöht sich und das besagte EPSP (die darauffolgende
postsynapti-
sche Depolarisation) wird ausgelöst. Die Öffnungs-Dauer der Poren und die
Erkennung
komplementärer Rezeptoren durch die Moleküle wird gleichfalls von
auto-adaptiven Prozessen
und Evaluationen von STQ-Zeitmusterstrukturen bestimmt. Allerdings stellen diese
Prozesse
Subphänomene von niedrigerer Stufe im Vergleich zu synaptischen Phänomenen
dar.
Strukturen zur zeitlichen und motorischen Auto-Adaption, die auf der
Quantisierung von
STQ-Verstreichzeiten beruhen, existieren auch auf molekularem und atomarem
Niveau.
Fig. 4f zeigt das Auffüllen eines Vesikels 70 mit
Transmitterstoffen und seine darauf folgende
Bewegung zu einem präsynaptischen Andockvorsprung am Vesikelgitter 71.
Der Beginn der
Auffüllung 74 ist mit der Aktivierung einer Stoppuhr vergleichbar. Das
Tempo v(t) der Vesikel-
Auffüllung ist proportional zur Dynamik des AP-Ioneneinstroms vap in die
Synapse. Die
Perioden der Auffüllungen T(t...) richten sich nach den Perioden t(P1,P2...)
der eintreffenden
AP's; somit stellen diese Zeiten quasi vm-adaptiv quantisierte STQ(d)-
Verstreichzeiten
Td(1,2,3...) usw. dar. Die Vesikel-
Bewegungsrichtung ist mit 75 bezeichnet. Wenn das
aktuelle Tempo v(t), die Dauer der Vesikel-Auffüllung T(t), die
Transmitter-Menge, die aktu-
elle Vesikel-Bewegung und andere aktuelle signifikante STQ-Parameter korrelative
Eigen-
schaften zu bestehenden synaptischen STQ-Strukturen haben, so heftet sich ein
aufgefüll-
tes Vesikel an einen Andockvorsprung 77 am Gitter. Ca++ Ionen strömen
in die Synapse ein,
eine Pore am kristallinen Vesikelgitter öffnet sich, und der gesamte molekulare
Transmitter-
inhalt entleert sich in den synaptischen Spalt 72. An der
postsynaptischen Membran der Ziel-
zelle fusionieren sich diese Moleküle mit den spezifischen Rezeptor-Molekülen.
Diese
Rezeptoren haben Verifizierungs-Aufgaben. Sie verhindern, dass fremde
Transmitterstoffe
(die aus anderen Synapsen stammen) an diesem Neuron falsche ESPS's auslösen
könnten.
Zur Vervollständigung dieses Kapitels werden die Beschreibungen zu Fig. 4a, 4b,
4e und 4f
in Kontext zu den STQ-Konfigurationen von Fig. 3c - 3g gebracht. Als
Argumentationsbeispiel
wird wieder angenommen, dass ein Nadelstich auf eine Rezeptor-Zelle trifft (s.
auch Fig. 4b):
Jene IP-Sequenzen, die in Fig. 3a gezeigt werden, entsprechen den AP's 23,
die durch das
Stimulieren einer Rezeptorzelle 20
mit einer Nadel 21 produziert werden. Ihre Perioden t(P1),
t(P2) ... dienen der Zuordnung der jeweiligen Zone der Reizintensität (P1,
P2...) oder der
Wahrnehmungsintensität (Z1, Z2..). Jedes in einer Synapse 69
einlaufende AP löst eine von
seiner axonalen Fortleitungsgeschwindigkeit (vap)-abhängige adaptive
Quantisierung von
STQ(d)-Verstreichzeiten aus. Die Verstreichzeitnahme mit modulierter Zeitbasis
wird
ausgelöst, sobald eine Vesikel-Auffüllung beginnt. Eine beendete Auffüllung
bedeutet
"Verstreichzeitnahme gestoppt; STQ(d)-Quantum registriert". Diese
solcherweise registrier-
ten Verstreichzeiten Td(1), Td(2),
Td(3), Td(4)...usw.
generieren die signifikanten synap-
tischen Strukturen. Invariante Zeitzählimpulse ITCP (s. Fig. 3b) mit der
Frequenz fscan
entsprechen einer konstanten axonalen AP-Fortpflanzung mit der Geschwindigkeit
vap, wenn
kein dynamischer Stimulus der besagten Hautrezeptor-Zelle gegeben ist; (z.B.
wenn eine
Nadel in einer fixen Position verharrt und eine konstante Reizintensität
erzeugt). In diesem
Fall erfühlt die Rezeptor-Membran keine relative Geschwindigkeit vm, die AP 's
pflanzen sich
mit fixem vap entlang dem Axon 22 fort; und die Synapse quantisiert die
STQ(d)-Verstreich-
zeiten mit invarianter Zeitzählfrequenz fscan.
Jene Zeitzählimpulse VTCP (s. Fig. 3c) mit der variablen Frequenz ƒscan kommen
dann zur
Anwendung, wenn ein dynamischer Reizverlauf auf den Rezeptor einwirkt. Moduliert
nach der
jeweiligen variablen Dynamik vm(n...), welche als STQ(v)-Parameter von der
Membran
gemessen wird, pflanzen sich die AP's entlang des Axons mit
STQ(v)-proportionaler
Geschwindigkeit vap(n..) fort. In gleicher Weise, wie in der Beschreibung zu
Fig. 3c die
adaptive Anpassung der Zeitzählfrequenzen zu den Übergängen 2.1, 3.1, 4.1...
dargelegt
wurde, so ändern sich hier die AP-Ioneneinstrom-Geschwindigkeiten v(t....) an
der Synapse,
die Vesikel-Auffüllzeiten T(t...), die Quantität der Transmittermoleküle in
Vesikeln, ihre
Bewegung in Richtung Vesikel-Gitter, die Struktur dieses Gitters und viele
andere Parameter
der präsynaptischen und subsynaptischen Strukturen.
Eine Synapse besitzt Eigenschaften, die es ermöglichen, die Dynamik der
einströmenden AP's
in vap-proportionale molekulare Zustandsveränderungen umzusetzen. Diese wirken
so, wie
variable VTCP-Zeitzählimpulse in Fig. 3c. Der Prozess kann verglichen werden
mit variablem
Wasserdruck, der eine Turbine antreibt, durch welche ein Generator variable
Frequenzen er-
zeugt, die vom Druck und vom Tempo des Wassers abhängen: erhöhter Wasserdruck
steht
für höhere Reizdynamik am Rezeptor, für höhere axonale
AP-Fortleitungsgeschwindigkeit
vap, und für höhere VTCP-Zeitzählfrequenz ƒscan in der Synapse (die sich
nicht nur auf das
Tempo v(t) auswirkt, mit dem Vesikel sich auffüllen, sondern auch auf viele
andere synap-
tische Parameter). Entsprechend dieser Prozesse werden die STQ(d)-Sequenzen Td(1,2,3...)
usw. in der Synapse mit vm-modulierten Zeittaktfrequenzen ƒscan (1,2,3...)
registriert; und
als Konsequenz daraus wird von dieser Zeitreihe die physikalische Struktur der
Synapse
geprägt. Fig. 3d zeigt eine aktuell erfasste Zeitdaten-Reihe 32 30 22 23 20,
die äquivalent ist
zum registrierten Zeitmuster Td(1,2,3,...),
welche in der Synapse 24 eine spezifische moleku-
lar/biologische Spur hinterlässt. Die gezeigte früher erfasste Zeitdatenreihe
30 29 22 24 19 in
Fig. 3e entspricht jener synaptischen Struktur, die durch oftmalige
Reproduzierung bestimm-
ter Stimulus-Ereignisse und Zeitmuster Td'(1,2,3...)
"geprägt" worden ist.
Die manifestierte synaptische Td'-
Struktur kann auch als Fußstapfen-Sequenz betrachtet
werden, die durch fortgesetzte Lern-Prozesse und Wahrnehmungs-Erfahrungen
erzeugt
wurde, und die z.B. als Referenzmuster für das Ereignis "Nadelstich"
dient. Wenn eine neu
erworbene Td-"Fußstapfen"-Sequenz - die
durch gegenwärtige Charakteristiken der Vesikel-
Ansammlung und andere signifikante zeitabhängige Parameter bestimmt wird -
ungefähr mit
dieser bestehenden T'-"Fußstapfen"-Folge (oder mit einem Teil davon!) Schritt
hält, dann wird
in der synaptischen Struktur "Kovarianz" erkannt. Dies resultiert in
der Öffnung einer Vesikel-
Andockstelle am synaptischen Gitter und in der Freisetzung aller in einem
Vesikel enthaltenen
Transmitter-Moleküle, worauf ein EPSP an der subsynaptischen Membran 25
produziert wird.
Das Potential eines EPSP entspricht jenen in Fig. 3f gezeigten
Wahrscheinlichkeitsdichte-
Parametern, die für die momentan bewertete Kovarianz signifikant sind. Wenn
solche
Wahrscheinlichkeitsdichte-Parameter sich innerhalb eines bestimmten
Zeitintervalls zu einem
bestimmten Schwellwert-Potential 27 addieren, wird ein AP 26
produziert. Dieses AP dient
als Bestätigung für das Ereignis " Nadel erkannt", und ruft einen
Muskelreflex hervor.
Der Vergleich aktueller Verstreichzeitmuster mit früher erfassten
Verstreichzeitmustern, wie
er in Fig. 3g gezeigt wird, findet in der Synapse fortgesetzt statt. Jede
erkannte Kovarianz
einer neuen Zeitsequenz, die durch besagte "zeitliche Auto-Adaption"
registriert wird, setzt
eine Art von "Andock-Mechanismus" in Gang. Er initiiert jenen Prozess,
der vom Patent-
anmelder als "motorische Auto-Adaption" bezeichnet >wird, und
welcher als der eigentliche
"Motor" in biologisch-chemischen Organismen bzw. Lebensformen
verstanden werden kann.
Strukturen zeitlicher und motorischer Autoadaption, die auf STQ-Quantisierung
beruhen,
existieren auch auf unterster molekularer Ebene. Ohne verstreichzeit-gestützte
molekulare
Regelkreise wären koordinierte Zustandsveränderungen in biologischen Systemen
unmöglich.
Dies trifft insbesondere auf Bewegungen von Proteinen, auf die Erkennung und
Kopierung des
genetischen Codes, und auf andere grundlegende Lebensprozesse zu. Der Schaffung
höherer
biologisch/chemischer Ordnungen und komplexer Systeme wie Synapsen oder Neurone
geht
die Existenz einer STQ-quantisierenden molekularen Substruktur voraus, aus der
einfache
Erkennungs- und Selbstorganisations-Prozesse von niedrigerem Niveau abgeleitet
werden.
Tatsächlich gibt es unzählige Hierarchien von auto-adaptiven Phänomenen auf
verschiede-
nen Ebenen. Einfache Phänomene auf molekularer Basis sind z.B. auch: das
"Andocken" an
Rezeptormolekülen, die Bildung von Poren, Ionenkanälen und subaxonalen
Transportstruktu-
ren (Mikrotubuli), und die Formierung neuer Synapsen und axonaler
Verzweigungen.
Demgegenüber stellt die in der Beschreibung zu Fig. 4a - c gezeigte Erkennung
von Reiz-
Signalverläufen durch synaptischen Zeitmuster-Vergleich (als vegetativer Reflex
oder als
bewusste Wahrnehmung) ein Epiphänomen bezüglich dessen dar. Jedes derartige
auto-
adaptive STQ-Epiphänomen wird seinerseits von höherrangigen STQ-
Epiphänomenen über-
lagert; ein Beispiel dafür ist die Analyse komplexer
"Zeitmuster-Landschaften" auf Isomorphi-
tät. STQ- Epipänomene wie Regelung des Wachstums, des Kreislaufes, der
Körpertemperatur,
der Atmung, des Stoffwechsels, des Sehens, des Hörens, des Tastens, des
Riechens, der
Bewegungskoordination usw. werden ihrerseits wieder von noch komplexeren
STQ-Szenarien
übertroffen, wozu unter anderem das Bewusstsein, das Denken, der freie Wille,
das bewusste
Handeln oder auch die bewusste Zeitempfindung des Organismus zählen. In allen
diesen
Fällen forscht das zentrale Nervensystem nach konvergenten Zeitmustern, die wie
einzelne
Puzzle-Stücke zu einem integrierten sensorischen Gesamtszenario zusammengesetzt
werden.
Findet sich in irgendeiner Hierarchie innerhalb einer gewissen
"Latenzzeit" trotz intensiver
"Suche" für eine Td-Sequenz
kein konvergentes Sub-Zeitmuster, so zeigt der Organismus
chaotisches Verhalten. Dieses Verhalten beschränkt sich auf jenen Teilbereich,
in dem der
Kollaps aufgetreten ist. Sobald ein kovariantes Zeitmuster gefunden ist, kehrt
der geordnete
Prozess der zeitlichen und motorischen Auto-Adaption (und Auto-Emolution)
zurück. Dies ist
auf triviale Weise mit einer Servolenkung vergleichbar, die kurzfristig
ausfällt. Das chaotische
Verhalten wird jedoch ebenfalls in seinem Ablauf als STQ-Zeitmuster quantisiert
und in den
involvierten Synapsen auf eine Weise registriert, dass es trotz einströmender
AP's zu keiner
Freisetzung von Neurotransmitter-Substanzen kommt. Über subaxonale
Transportstrukturen
(sog. Mikrotubili) strömen solche Informationen als Transmittermoleküle in
inverser Richtung
entlang des Axons zurück. Mikrotubili dienen zur Schaffung neuer Synapsen, und
zur synap-
tischer Anbindungen an solche Neuronen und neuronalen Netze, in denen ebenfalls
ein Kol-
laps eines Autoadaptionsprozesses aufgetreten ist. Der Produzierung neuer
Synapsen geht
die Entstehung von Dendriten voraus; das sind axonale Fortsätze, die aus
Neuronen hervor-
sprießen. Auf diese Weise regeneriert sich der auto-adaptive neuronale "Feedback"-
Mechanismus von selbst, und jenes STQ-Zeitmuster, das während des
kurzfristigen
"chaotischen Verhaltens" erfasst wurde, wird zu einer neuen
Referenzbasis für künftige
Ereignisse. Auf diese Weise lernt der zentrale Nervensystem (ZNS), neue
Ereignisse und Er-
fahrungen zu registrieren; und neue Zeitmuster einzubeziehen, die vorher
unbekannt waren.
Wenn
Sie Fragen an den Autor haben:
info@sensortime.com
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